Da Capo – Marcus Creed: Klangwelten der Moderne

RIAS Kammerchor

Fr 20. Oktober 2023, 20.00 Uhr

Philharmonie Berlin, Kammermusiksaal

Abo-Konzert

Hans Werner Henze Lieder von einer Insel
Chorphantasie auf Gedichte von Ingeborg Bachmann
Alma Mahler 3 frühe Lieder, arr. von Clytus Gottwald
Die stille Stadt - Laue Sommernacht - Bei dir ist es traut
Gustav Mahler Die zwei blauen Augen
aus "Lieder eines fahrenden Gesellen" arr. von Clytus Gottwald
Toshio Hosokawa Die Lotosblume
hommage à Robert Schumann
Martin Smolka Poema de balcones


RIAS Kammerchor Berlin


Ensemble Musikfabrik Landesensemble NRW e.V.

Marcus Creed Dirigent



Den Komponisten Hans Werner Henze und die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann verband eine Vertrautheit, die keine Umwege brauchte. Ein Jahr nach der ersten Begegnung während einer Tagung der „Gruppe 47“ im Herbst 1952 lebten sie drei Monate auf Ischia zusammen. Zwei junge, höchst produktive Menschen, die im jeweils anderen die eigenen Sehnsüchte und Brüche erkannten. Die Homosexualität Henzes versprach Ingeborg Bachmann zunächst eine sichere Form der Nähe. Italien wiederum bot Abstand von einem Deutschland, das beide damals als kalt und leer empfanden. „Unser Alltag war ein Fest“, erinnert sich Henze Jahrzehnte später. In jenem ekstatischen Sommer auf Ischia entstand wohl Ingeborg Bachmanns Gedichtzyklus Lieder von einer Insel, allerdings ohne die Absicht, ihn von Henze vertonen zu lassen, gleichwohl sich beide intensiv mit der Beziehung zwischen Sprache und Musik beschäftigten. Die Chorphantasie auf die Insel- Gedichte schrieb Henze jedoch erst eine Dekade später. Anders als die hellen, rauschhaften Tage vermuten lassen, erzählt das Werk von Abschied und Einsamkeit, Schmerz und Tod. Ende der 1960er-Jahre stürzte Ingeborg Bachmann in eine existenzielle Krise. Henze war es, der ihr zur Seite stand.

Nach Gedichtfragmenten des spanischen Lyrikers Federico García Lorca entstand das 2008 uraufgeführte Werk Poema de balcones von Martin Smolka. Der 1959 geborene Tscheche gehört zu den Komponisten, deren Werke Marcus Creed kontinuierlich aufführt. Creed war es auch, der in seiner Zeit als Chefdirigent des RIAS Kammerchor zwischen 1986 und 2001 nicht nur Verbindungen zu Ensembles wie dem Freiburger Barockorchester und der Akademie für Alte Musik Berlin knüpfte: Er erweiterte den Radius des RIAS Kammerchor maßgeblich hin zur zeitgenössischen Musik.