Belshazzar Berlin-Konzert
Als Georg Friedrich Händel 1710 erstmals nach London kam, nahm er sich vor, das dortige Publikum mit der modischen italienischen Oper zu begeistern. Rund zwei Jahrzehnte lang ging das gut, doch dann wurde das englische Publikum der vielen Arien in fremder Sprache überdrüssig und verlangte nach Abwechslung. Händel – Businessman genug – stellte sich daraufhin innerhalb kurzer Zeit auf die neuen Wünsche der Öffentlichkeit ein und wandte sich ab 1732 dem englischen Oratorium zu. Mit dieser Gattung betrat er absolutes Neuland: Er legte zwar die Tradition des italienischen Oratoriums zugrunde, verknüpfte sie jedoch mit der englischen Sprache und ließ die Werke statt in einer Kirche im Konzertsaal aufführen. Mit dieser neuen Art des Oratoriums traf Händel den Nerv der Zeit und sorgte mit seinen Neukompositionen und Wiederaufnahmen jährlich für Höhepunkte im Londoner Konzertleben.
Das Oratorium Belshazzar kam im März 1745 zur Uraufführung. Die Handlung entstammt dem alttestamentlichen Buch Daniel sowie den Schriften der antiken Geschichtsschreiber Herodot und Xenophon und spielt in der Zeit des babylonischen Exils im 6. vorchristlichen Jahrhundert. Belshazzar – der Sohn der babylonischen Königin Nitocris – wird als herrschsüchtiger Despot dargestellt, der sich in seinen Allmachtsfantasien überhebt und selbst von seiner Mutter nicht mehr zurückgehalten werden kann. Die dramatische Geschichte endet mit seiner Niederlage, die zugleich die Befreiung der Israelit*innen bedeutet. Händel hat diese aufregende Handlung mit einer drastischen, nahegehenden Musik vertont, in der der Chor häufig in die Rolle des Volkes schlüpft. Das Publikum erlebt nicht nur die Darbietung einer historischen Episode: Händels großartige Musik ist von solcher Eindringlichkeit und Unnachgiebigkeit, dass sich geradezu zwangsläufig Assoziationen zu heutigen Gewaltherrschern ergeben. Chefdirigent Justin Doyle wird sich hier gemeinsam mit dem RIAS Kammerchor und der Akademie für Alte Musik Berlin einmal mehr als führender Händel-Experte präsentieren.
19.00 Uhr Konzerteinführung | Das Konzert wird durch Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet.
In Kooperation mit dem Konzerthaus Berlin.