Messe in h-Moll Berlin-Konzert
Im Oktober 2015 traf die UN-Bildungs-, Kultur- und Wissenschaftsorganisation UNESCO eine für alle Bach-Freund*innen sehr überraschende und positive Entscheidung: Sie nahm das Autograph der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach in das Weltregister „Memory of the World“ auf. In dem seit 1992 geführten Verzeichnis befinden sich derzeit rund 500 herausragende Dokumente der Weltgeschichte – von der Goldenen Bulle über die Gutenberg-Bibel bis zum Gründungspapier der polnischen Gewerkschaft Solidarno´s´c. Mit der Aufnahme von Bachs h-Moll-Messe in das Weltdokumentenerbe würdigte die Kommission die außerordentliche Kompositionskunst Bachs, die auch mehr als 250 Jahre nach Entstehung des Werkes einen „inspirierenden Einfluss auf die Menschheit“ ausübe.
Diese Sonderstellung der h-Moll-Messe unter den Werken Bachs, aber auch unter vielen anderen Kompositionen der europäischen Musikgeschichte, erkannte man in der Rezeption bereits verhältnismäßig früh. Während die meisten anderen Vokalwerke Bachs nach seinem Tod 1750 weitgehend in Vergessenheit gerieten, wurde die Missa zumindest teilweise noch im 18. Jahrhundert aufgeführt und vom Publikum als „eines der vortrefflichsten musikalischen Stücke, die je gehört wurden“ bezeichnet. Der Musikforscher Hans Georg Nägeli nannte die Komposition 1818 gar das „größte musikalische Kunstwerk aller Zeiten und Völker“. Auch die Romantiker Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann und Johannes Brahms beschäftigten sich intensiv mit der Partitur. Heute zählt die Missa zu den populärsten kirchenmusikalischen Werken und zahlreiche Aufführungen und Einspielungen erschließen ihren inneren Gehalt immer wieder neu. Seit der Ära von Uwe Gronostay, von 1972 bis 1986 Chefdirigent des RIAS Kammerchor Berlin, hat der Chor Bachs h-Moll-Messe regelmäßig aufgeführt. Auf dem Programm des traditionellen Neujahrskonzerts stand sie zuletzt 1984. Außerdem gibt es gleich zwei CD-Aufnahmen des Werkes aus den Jahren 2006 und 2022, jeweils unter der Leitung von René Jacobs. Beim diesjährigen Konzert zum Jahresauftakt steht Chefdirigent Justin Doyle am Pult.
Das Konzert wird durch Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet.