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Über Brücken Berlin-Konzert

Sinnbildliche Brücken gibt es viele zwischen den Ländern und Kulturen Nordeuropas: So verbindet die Ostsee-Anrainerstaaten Estland und Finnland zum Beispiel die enge Verwandtschaft ihrer Sprachen. In den baltischen Ländern gehört das Singen seit ihrer Selbstbehauptung im 19. Jahrhundert untrennbar zur kulturellen Identität – besonders eindrücklich zeigte sich das in der Singenden Revolution am Ende des Kalten Krieges. Auch in der zeitgenössischen Vokalmusik nordischer Länder finden sich häufig Volksliedmotive oder bestimmte traditionelle Tonarten der musikalisch so eng verwandten Kulturen. Der RIAS Kammerchor baut unter der Leitung von Chefdirigent Justin Doyle exemplarisch eine Brücke des Gesangs zwischen Finnland, Estland, Island und Schweden.

Als Ausgangspunkt dient dabei das Stück Laulusild (Brücke des Gesangs) von Veljo Tormis. Der estnische Komponist wählte hierfür Texte aus dem finnischen Nationalepos Kalevala sowie estnische Volksdichtungen. Er vertonte die zweisprachigen Verse unter Verwendung traditioneller Melodien beider Länder als musikalische Brücke über die Ostsee. In Pseudo-Yoik bringt Jaakko Mäntyjärvi dagegen einen von ihm selbst als „bedeutungslos“ bezeichneten Fantasietext zum Klingen, als humorvollen Blick auf Lappland-Stereotype der meisten Finninnen und Finnen. Mit Cyrillus Kreeks eindringlichem 137. Psalm Davids kehren wir zu einem sanften und poetischen Ausdruck zurück, den auch Die erste Elegie von Einojuhani Rautavaara mit einem Text von Rainer Maria Rilke trotz nun atonalerer Klangsprache beibehält. Ebenso sind drei der wichtigsten zeitgenössischen Komponistinnen im Konzert vertreten: Während Anna Þorvaldsdóttir und Karin Rehnqvist uns mit wahrhaft himmlischen, meditativen Kompositionen bereichern, unterbricht Anna-Karin Klockar sie in diesem Programm mit einem historischen Protest für die Rechte der Frau sowie für, hier im übertragenen und wörtlichen Sinne, die Stimme der Frau. Zu hören ist dann Sven-David Sandströms Meisterwerk April och tystnad, bevor wir nach Estland zurückkehren: Veljo Tormis’ dramatischer Curse Upon Iron schließt das vielseitige Programm. Seine Musik wird uns außerdem im 5. Abonnementkonzert Tristan und Yseult wieder begegnen.

Das Konzert wird durch Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet.