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Henze/Brahms Berlin-Konzert

Vor 100 Jahren wurde Hans Werner Henze geboren, einer der bedeutendsten deutschen Komponisten des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts, der vor allem im Musiktheater neue Maßstäbe gesetzt hat. Der RIAS Kammerchor Berlin würdigt dieses Jubiläum mit einem Sonderkonzert im Rahmen des Musikfest Berlin und bringt dabei ein Werk Henzes zur Aufführung, das ebenfalls ein Jubiläum feiert: Musen Siziliens für gemischten Chor, zwei Klaviere, Bläser und Pauken wurde vor genau 60 Jahren während der Berliner Festwochen 1966 uraufgeführt, von der Sing-Akademie und dem Radio-Sinfonie-Orchester Berlin, dem Vorgänger des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin. Es handelt sich um eine klingende Hommage an Henzes Wahlheimat Italien, wo er sich seit 1953 – zunächst auf Ischia, dann in Neapel und schließlich in Marino bei Rom – niedergelassen hatte. Der Titel und der vertonte Text stammen aus den Eklogen des römischen Dichters Vergil, einer Sammlung von Hirtengedichten. Henze schrieb selbst zu seiner Auswahl: „Meine sizilianischen Musen sind für Hirten, Bauern, fahrendes Volk und Arbeiter. Sie singen im Tanzschritt der Siciliana von Sonne und Kälte, von der schwerblütigen Vegetation ihres Landes, Trauriges und Lustiges von Liebe.“ Und wirklich vertont Henze die Textfragmente in einer wunderbaren Leichtigkeit, von der er sagte, sie solle allen Ausführenden und Zuhörenden vor allem „Spaß machen“.

Und wenn schon von der Liebe gesungen wird, fügt der RIAS Kammerchor zu Henzes Musen Siziliens noch die herrlichen Liebeslieder-Walzer op. 52 von Johannes Brahms hinzu. Die zugrunde liegenden Texte hat Georg Friedrich Daumer aus internationalen Volkslieddichtungen zusammengestellt. Brahms hat sie in unnachahmlicher Weise für Chor und Klavier vierhändig gesetzt, durchgehend geprägt vom Walzer- beziehungsweise Ländlerrhythmus. Auch hier ist eine Äußerung des Komponisten überliefert: „Übrigens möchte ich doch riskieren, ein Esel zu heißen, wenn unsere Liebeslieder nicht einigen Leuten Freude machen.“ Ist Brahms jemals als Esel bezeichnet worden? Wohl kaum.

Das Konzert wird durch Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet.

Eine Veranstaltung des Musikfest Berlin / Berliner Festspiele in Kooperation mit dem RIAS Kammerchor Berlin.