Trost und Hoffnung Berlin-Konzert
„Ein Tränentag, an dem aus dem Feuerbrand aufsteht der schuldige Mensch zum Gericht.“ So heißt es im traditionellen Text des Requiems, also der Totenmesse. Unzählige Komponist*innen haben diese Vorstellung eines dramatischen Fegefeuers Wort für Wort vertont. Seit dem 19. Jahrhundert ist aber eine Erweiterung des Requiem-Begriffes zu bemerken. Brahms, Reger, Hindemith und andere schrieben Requiem-Werke, die nicht mehr für die Liturgie bestimmt waren und freier mit der Textauswahl umgingen. Der RIAS Kammerchor präsentiert zum Abschluss des Musikfestes Berlin zwei sehr unterschiedliche Requiem-Fassungen aus dem 20. Jahrhundert.
Der französische Komponist Maurice Duruflé schuf 1947 eine Version, die in ihren wunderbaren musikalischen Farben in erster Linie Trost und Hoffnung spendet. Konsequenterweise verzichtete Duruflé darauf, den vollständigen Text der Sequenz „Tag des Zornes, Tag der Rache“ zu vertonen, und schloss das Werk stattdessen mit einem zuversichtlichen Gebet ab: „Ins Paradies mögen die Engel dich geleiten.“ In seiner musikalischen Umsetzung wirkt das Gebet wie entrückt. Als Grundlage seiner kompositorischen Arbeit nutzte Duruflé gregorianische Melodien, die er mit impressionistisch angehauchten Harmonien verband; so sorgt er für ein tief anrührendes Klangereignis. Völlig andere Voraussetzungen boten sich Alfred Schnittke während des Kalten Krieges in Moskau. Undenkbar war dort der Einsatz eines katholischen Requiems für den Gottesdienst. Schnittke brachte sein Werk, mit dem er an seine verstorbene Mutter erinnern wollte, daher 1975 im Rahmen einer Schauspielmusik zu Schillers Don Carlos unter. Dabei nutzte er zwar den traditionellen Requiem-Text, verknappte ihn aber, veränderte die Reihenfolge und fügte ein verkürztes Credo hinzu. Schnittkes Musik für Soli, Chor und ein Orchester ohne Streicher, dafür mit Blechbläsern, Orgel, E-Gitarre und viel Schlagwerk, ist unnachgiebig und ernst, ein zutiefst authentisches Zeugnis ihrer Entstehungszeit.
19.10 Uhr Konzerteinführung | ca. 22.00 Uhr NACHLESE | Das Konzert wird durch Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet.
In Kooperation mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin (DSO) und dem Musikfest Berlin / Berliner Festspiele.