Membra Jesu nostri SPAM – Spandau macht Alte Musik
Es kommt nicht gerade häufig vor, dass eine Stadt ihr Marketing mit einem Organisten vorantreibt. In Lübeck war es aber so, nachzulesen in einem Stadtführer von 1697, in dem Dieterich Buxtehude als „welt-berühmter Organist und Componist“ gelobt wird: Seine Abendmusiken seien ein Ereignis, „das sonst nirgends wo geschehet“.
Fast vier Jahrzehnte lang bestimmte Buxtehude als Organist der Marienkirche das Musikleben der Hansestadt Lübeck und prägte mit seinem Kompositionsstil eine ganze Musikergeneration. Unter seinen geistlichen Werken ragt der siebenteilige Kantatenzyklus Membra Jesu nostri hervor – eine meditative Betrachtung des gekreuzigten Christus. Als textliche Grundlage dienten die Dichtungen des Zisterziensermönchs Arnulf von Löwen aus dem 13. Jahrhundert. In zugleich poetischer wie auch intimer Weise widmen sich diese Verse den „membra“, deutsch: den Gliedmaßen Christi, also seinen Füßen, Knien und Händen, seiner Seite und seiner Brust, schließlich seinem Herz und seinem Antlitz. Ergänzt werden diese Texte durch kurze Bibelzitate aus dem Alten Testament, darunter auch Abschnitte aus dem Hohelied. Buxtehude gelingt es, diese sehr persönlichen Texte mit einer unglaublich zärtlichen Musik zu versehen, die von solistischen und chorischen Vokalstimmen sowie wenigen Streichinstrumenten dargeboten wird. Das Zuhören gleicht also einem zugewandten, liebevollen Blick auf den leidenden Christus. Höhepunkt der Komposition ist die sechste Kantate, die sich dem Herzen Jesu widmet. Beziehungsvoll erweitert Buxtehude hier die instrumentale Besetzung zu einem dichten fünfstimmigen Gambensatz, der in seiner sanften, eleganten Schönheit kaum zu übertreffen ist.
Das passt hervorragend zum Thema „Herzensmusik“, das sich das Festival SPAM – Spandau macht Alte Musik 2027 als programmatische Leitlinie ausgewählt hat. Bereits zum dritten Mal beschließt der RIAS Kammerchor das Festival, diesmal gemeinsam mit dem Collegium Musicum ’23 und unter Leitung der norwegischen Dirigentin Grete Pedersen, die mit dem von ihr gegründeten Det Norske Solistkor Oslo, aber auch dem Schwedischen Rundfunkchor und dem Niederländischen Kammerchor große Erfolge gefeiert hat.
Das Konzert wird durch Deutschlandfunk Kultur aufgezeichnet.