Matthäus-Passion Tournee-Konzert
Vor genau 300 Jahren – am Karfreitag des Jahres 1727 – erklang in Leipzig zum ersten Mal ein wahres Monument der Musikgeschichte: die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach. Ganz sicher mag sich dabei ein großer Teil der gottesdienstlichen Gemeinde über den gewaltigen Umfang, den riesigen Aufführungsapparat und die emotionale Kraft dieser musikalischen Reflexion über das Leiden und Sterben Jesu verwundert haben. Rund drei Stunden dauert diese zweiteilige Passionsmusik, die im damaligen Vespergottesdienst noch von einer Predigt unterbrochen und mit weiteren liturgischen Gebeten, mit Orgelmusik und Gesängen ergänzt wurde. Tatsächlich hatte Johann Sebastian Bach mit dieser Komposition alle bisherigen Maßstäbe für Passionsvertonungen weit übertroffen.
Das Libretto dieser „Großen Passion“ – wie das Werk im Hause Bach genannt wurde – stammt von Christian Friedrich Henrici, einem Leipziger Dichter, der unter dem Pseudonym Picander publizierte. Der biblische Text aus dem Matthäus-Evangelium wird dabei von zahlreichen Gedichten umrahmt und unterbrochen, die ihrerseits als ein Dialog zwischen der Tochter Zion, als Personifikation der heiligen Stadt Jerusalem, und den Gläubigen konzipiert ist. Dieses poetische Prinzip inspirierte wiederum Bach, seine Komposition konsequent doppelchörig anzulegen. Es musizieren zwei Chöre und zwei Orchester, deren jeweilige Einsätze die Dialogstruktur verdeutlichen. Gerade für die Berliner Musikgeschichte besitzt die Matthäus-Passion eine herausragende Bedeutung: Die erste Wiederaufführung unter Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy mit der Sing-Akademie zu Berlin 1829 hatte Signalcharakter für die intensivere Beschäftigung mit der geistlichen Vokalmusik von Bach. Und auch später war Berlin immer wieder der Ort von besonderen Aufführungen dieses Werkes. Der RIAS Kammerchor veröffentlichte 2014 unter Leitung von René Jacobs eine Aufnahme der Matthäus-Passion, die für einen Grammy nominiert wurde und den ECHO Klassik erhielt. Klar, dass der Chor zum 300. Jubiläum dieses Ausnahmewerk aufführt, gemeinsam mit der Akademie für Alte Musik Berlin und erlesenen Vokalsolist*innen.