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Konzertkalender

RIAS Kammerchor

Bild: © manun / photocase.de

So 01. Januar 2017, 20.00 Uhr

Philharmonie Berlin, Großer Saal, Berlin

Abo-Konzert

Georg Friedrich Händel Theodora

Fflur Wyn Sopran
Anna Stéphany Mezzosopran
Tim Mead Altus
Robert Murray Tenor
Roderick Williams Bass


Akademie für Alte Musik Berlin

Justin Doyle Dirigent



Ein Plädoyer für Toleranz

Warum die Premiere im Londoner Covent Garden Theatre dereinst so gründlich floppte, wissen die Götter. War es die Serie kleiner Erdbeben, die die Themsemetropole wenige Tage vor der Uraufführung erschüttert und viele in Panik aus der Stadt getrieben hatten? War es das Befremden über Thomas Morell, dessen bibelfernes Libretto die Geschichte einer standhaften Frauengestalt zur Zeit der großen Christenverfolgung durch das Römische Reich unter Kaiser Diokletian erzählt, fußend auf einer Novelle des dichtenden Physikers und Naturphilosophen Robert Boyle? Oder trug Händels allgemein sinkender Stern die Schuld? Wie dem auch sei. An der Musik jedenfalls kann es nicht gelegen haben, dass Theodora nach nur zwei Aufführungen zur Fastenzeit 1750 wieder vom Spielplan verschwand und ihren verschnupften Urheber zu sarkastischen Bemerkungen über die Borniertheiten des britischen Publikums hinriss. Mit diesem Stück erreichte Händel neue Dimensionen musikalischer Psychologisierung, die es ermöglichten, das vielschichtige Seelenleben der handelnden Figuren auf einfühlsame, intime Weise zu beschreiben. Ohne Schwarz-Weiß-Zeichnung, ohne triviales Gegenüber von Gut und Böse, ohne Beigaben äußerlicher Dramatik. Ihm gelingt es, das historische Geschehen im frühchristlichen Antiochien durch Spiegelung im Privaten derart differenziert zu behandeln, dass sich ein allgemeingültiges, bewegendes Plädoyer für Toleranz daraus ableitet. In Sachen des Glaubens wie der Menschlichkeit. Bei seiner ersten Zusammenarbeit mit dem vielverheißenden englischen Nachwuchsdirigenten Justin Doyle führt der RIAS Kammerchor zu Jahresbeginn 2017 seine gefeierte Händel-Tradition fort. Am Beispiel eines allzu selten gespielten Oratoriums, das der Komponist für sein bestes hielt.