Konzertkalender der aktuellen RIAS Kammerchor-Saison

RIAS Kammerchor

Di 20. September 2016, 20.00 Uhr

Philharmonie Berlin, Großer Saal, Berlin

Sonderkonzert

Edward Elgar "The Dream of Gerontius" op. 38

Sarah Connolly Alt
Jonas Kaufmann Tenor
Thomas Hampsons Bariton

Staatsopernchor

RIAS Kammerchor
Staatskapelle Berlin

Justin Doyle Choreinstudierung

Daniel Barenboim Dirigent



Tickets erhalten Sie nicht beim Besucherservice des RIAS Kammerchores.
Veranstalter: Staatsoper im Schillertheater Berlin
  +49 (0)30 20 35 45 55

Ohne Plüsch und Pomp

Man darf schon sagen: Edward Elgar hat den Briten ihren Stolz zurückgegeben. Nachdem die englische Oratorientradition über mehr als anderthalb Jahrhunderte hinweg maßgeblich von Gastarbeitern bestimmt worden war, angeführt durch Master George Frideric Handel aus Halle, erlebten die Zuhörer beim Musikfestival in Birmingham am 3. Oktober 1900 die Geburt einer neuen Nationalschule. Dabei hatte die Uraufführung von The Dream of Gerontius buchstäblich im Chaos geendet. Aufgrund viel zu knapp bemessener Probensitzungen zeigten sich alle Ausführenden von den stilistischen und technischen Ansprüchen der abendfüllenden Partitur überfordert. Selbst der überaus routinierte Hans Richter am Dirigentenpult. Gleichwohl eroberte das Stück binnen weniger Jahre einen Spitzenplatz im Beliebtheitsranking des Konzertrepertoires und behauptet ihn bis heute – ungeachtet seiner vorwiegend leisen Töne, die nichts gemein zu haben scheinen mit dem viktorianischen Plüsch und Pomp, der Sir Edward und seinen Zeitgenossen gerne unterstellt wird. John Henry Newmans metaphysisches Versepos aus dem Jahr 1865 handelt von der Wanderung einer Seele. Sie beginnt beim Verlassen des Körpers im Augenblick des Todes, führt vorbei an Dämonen, durch Fegefeuer hindurch und endet schließlich beim Eintritt ins Reich himmlischer Erlösung. Anders als erwartet, versagt sich Elgars musikalische Reisebegleitung handfeste Schilderungen der Unterwelt ebenso wie allzu sentimentale Einlassungen auf den christlichen Ewigkeitsgedanken, lebt vielmehr von subtilen atmosphärischen Bildern und schier unerschöpflichem Melos. Ingredienzien mit Suchtpotential, zumal wenn Daniel Barenboim sich ihrer annimmt, der seit je so etwas wie einen Universalschlüssel zu Elgars Musik besitzt.