Konzertkalender der aktuellen RIAS Kammerchor-Saison

Neujahrskonzert

Bild: AzulCielo/photocase.de

Do 01. Januar 2015, 20.00 Uhr

Philharmonie Berlin, Großer Saal, Berlin

Abo-Konzert

Neujahrskonzert

Georg Friedrich Händel Dixit Dominus (Psalm 109) HWV 232 Jan Dismas Zelenka Te Deum ZWV 146 Johann Sebastian Bach Singet dem Herrn ein neues Lied - Kantate BWV 190

Anna Lucia Richter Sopran
Letizia Scherrer Sopran
Wiebke Lehmkuhl Alt
Sebastian Kohlhepp Tenor
Andrè Schuen Bariton

RIAS Kammerchor
Akademie für Alte Musik Berlin

Hans-Christoph Rademann Dirigent



Gewitter über Rom

Wie es klingen muss, wenn der rächende Gott des Alten Testaments reinen Tisch macht, seine Feinde richtet und die Häupter der Ungläubigen zerschmettert, davon hatte Georg Friedrich Händel eine sehr konkrete Vorstellung. Wie konkret, sollten die Zuhörer am 1. Mai 1707 in Rom erfahren, als der junge, noch namenlose Italienreisende aus Halle an der Saale zu Ehren des spanischen Königs eine Psalmvertonung zu Gehör brachte, die allen die Sinne raubte. Von wegen Frühwerk! Eine derart frappierende Satztechnik, gepaart mit fesselnder Dramatik und virtuoser Beherrschung der musikalischen Affektsprache, war selbst den kunstverwöhnten Italienern noch nicht zu Ohren gekommen. Zunftkollegen brach der Angstschweiß aus, Kleriker rangen um Fassung. Was damals wie ein reinigendes Gewitter über die Ewige Stadt und die Gattung Kirchenmusik hinweg zog, eröffnet hier und jetzt ein entdeckungsfreudiges Neujahrskonzert. Denn bis heute steht Jan Dismas Zelenka, der geniale Böhme am Dresdner Hof, im Schatten seiner großen Zeitgenossen. Der im wahrsten Wortsinn eigenwilligen, unverwechselbaren Gedankenwelt seiner Musik zum Trotz. Sein doppelchöriges, feudal besetztes Te Deum, entstanden 1731, zeugt von architektonischem Weitblick und untrüglichem Gespür für klangliche Wirkungen. Es empfiehlt sich nicht minder dringlich einer Wiederbelebung wie Bachs erste von vier Neujahrskantaten aus seiner Zeit als Thomaskantor in Leipzig, die ihrer lückenhaften Überlieferung wegen zwar viele namhafte Rekonstrukteure auf den Plan rief, gleichwohl nur selten aufgeführt wird. Neue Musik aus alter Zeit. Ein verheißungsvoller Start ins Musikjahr 2015.