RIAS Kammerchor Berlin

RIAS KAMMERCHOR

Der Rias Kammerchor begeisterte im Burghof

Jürgen Scharf, Oberbadisches Volksblatt, 03.05.2010

Pures Staunen über einen Chor der Superlative: Der Rias Kammerchor besitzt die Fähigkeit, alte Musik zu einem faszinierenden Erlebnis für heutige Hörer werden zu lassen.

Pures Staunen über einen Chor der Superlative: Der Rias Kammerchor besitzt die Fähigkeit, alte Musik zu einem faszinierenden Erlebnis für heutige Hörer werden zu lassen. Die bildhafte Schilderung der Apokalypse in Giacomo Carissimis Oratorium Judicium extremum mit seiner räumlichen Wirkung, Posaunenklang und Hilfeschreien der Sänger ist von solcher harmonischen Kühnheit und mutet für ein Werk aus dem 17. Jahrhundert unglaublich modern an.

Alte Musik ein Spezialgebiet, auf das sich nur wenige Chöre wagen. Ebenso wie auf das Terrain der ganz neuen, avantgardistischen Vokalmusik. Diese ist eine ähnliche Nische und beim großen Publikum nicht gerade populär. Beides verbindet dieser hervorragende Konzertchor in seinem Programm Gottesmacht, einem Streifzug durch die frühe und neue geistliche Musik mit Vokal- und Instrumentalsätzen verschiedener Komponisten.

Unter dem beschwörenden Dirigat des lettischen Gastdirigenten Kaspars Putnins können die Solisten aus den eigenen Chorreihen mit makelloser Singkunst überzeugen. Neben dieser vollendeten Kunst des solistischen Ensemblegesangs zeigt der Chor als weitere Tugend einen kultivierten und ausgeglichenen Gesamtklang in der vokaltechnisch perfekt ausgeführten alten Musik eines Heinrich Schütz, Orlando di Lasso oder Giovanni Gabrieli. Wann hört man einmal Gabrielis Mehrchörigkeit, Schütz-Motetten oder das Magnificat aus den Symphonia sacrae in einer solch transparenten Stimmführung und schwebungsfreien Intonation? Die Frage, wie man etwa bei Carissimi effektvolle Raumklang-Wirkung erzielt, löst der Gastchor im Burghof durch Aufstellung auf der Seitenempore.

Phänomenal auch die präzise Rhythmik und bestechende Sicherheit des Singens in der komplexen Harmonik eines Giacinto Scelsi. Wie dieser bestens geschulte Klangkörper dessen extrem moderne, aufregende Klanglichkeit in den Tre canti sacri (drei geistliche Gesänge) interpretiert, ist mustergültig. Der Rias Kammerchor ist das beste Medium, um Scelsis intuitiv-sphärische Musik zu transportieren.

Dass die Neue Einfachheit avantgardefähig ist, zumal in ihrer sakralen Spielart, zeigt auch das Magnificat von Arvo Pärt, eine der leichter zugänglichen Meditationen im Stil modernen Mittelalters mit spiritueller Aura. Ähnlich die mystische Versenkung in dem hymnischen A-cappella-Chorwerk des zeitgenössischen schottischen Komponisten James MacMillan. Hier scheint der Rias Kammerchor keine Leistungsgrenzen zu kennen.

Es wird aber nicht nur prachtvoll und mit staunenswerter Homogenität und Perfektion gesungen, sondern auch stilkundig im Geiste historisch informierter Aufführungspraxis von der Capella de la Torre, einem Spezialensemble auf historischen Instrumenten wie Zink, Schalmei, Renaissanceposaune und Orgelpositiv, musiziert.

Die schönste Hörerfahrung bei diesem Projekt ist, wie Vokal- und Instrumentalstimmen ein harmonisches Ganzes ergeben. Bedauerlich nur, dass bei dieser Sternstunde der alten und neuen Musik viele Plätze im Saal leer blieben.

RIAS Kammerchor, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin, Germany
Tickets Telefon: +49.30.20298725 - Mo-Fr 9-18 Uhr, E-Mail: tickets@rias-kammerchor.de, www.rias-kammerchor.de

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