dem exzellenten Rias-Kammerchor
Das „Zeitfenster", die „Biennale Alter Musik", veranstaltet im Konzerthaus, hat sich nach acht Tagen wieder geschlossen. Beim Abschlusskonzert stand der Lette Kaspars Putnins dem exzellenten Rias-Kammerchor vor und feierte mit ihm musikalisch nachdrücklich die ,,Glaubensmacht", der die christlichen Jahrhunderte strikt vertrauten und nicht müde wurden, sie in immer neuen Ausformungen des ,,Magnificat" zu feiern.
Am nachdrücklichsten überraschenderweise mit einem Werk nicht aus der ältesten, wohl aber der jüngsten Vergangenheit: Arvo Pärt hat sein „Magnificat" erst 1989 geschrieben. Festlich, sozusagen sogar hocharistokatisch eingeleitet wurde das Konzert von der Konzertsaal-
Empore herab mit einer Pavane von Moritz Landgraf von Hessen (1572-1626), vorgetragen von dem außerordentlichen Instrumentalensemble des Abends: der „Capella de la Torre", einem Ensemble für Bläser der ungewöhnlich wohlklingenden, freilich altbacken gewordenen Art.
Zink und Pommer, Dulzian, Schalmei und Laute reichten einander die Hand und öffneten den staunenden Ohren geradezu eine durchaus unüblich gewordene Klangphantasie: die unserer frommen Ur-Ur-Ur-Ur-Grosseltern. Es könnten sogar noch ein Paar Ur mehr sein. Es wäre natürlich für die Hörer eine große Hilfe gewesen, in dem exzellenten dickleibigen Programmheft nachlesen zu können, wovon man etwa in Carissimis ,Judicium extremum" eine kostbare halbe Stunde lang sang. Das Licht im Saal war aber auf die durchaus unzulässige Kuschelstimmung herabgedreht, so dass wohl kein Mensch im Saal verstand, worüber Engel und Erzähler, die Gerechten und Christus, die Sünder und der Historicus sich auseinandersetzten. Darauf verweigerte törichterweise das sonst so wundervoll zielstrebige ,,Zeitfenster" jeden Aus- und Einblick.