
Chefdirigent Hans-Christoph Rademann waltete einmal mehr als Feinmechaniker und weitblickender Klangarchitekt.
In der Philharmonie überraschte der Rias-Kammerchor mit einer nach allen Seiten offenen „Hommage“ an Schumann: Neben Originalchorsätzen und Liedtranskriptionen gab es auch Solo-Klaviereinlagen zu bewundern. Und zu Beginn sogar den Auftritt eines Schülerchors. Der Grund? Im Rahmen eines pädagogischen Projekts hatte der Rias-Kammerchor die Schüler fit für die Philharmonie gemacht. Das Ergebnis rührte. Chefdirigent Hans-Christoph-Rademann waltete einmal mehr als Feinmechaniker und weitblickender Klangarchitekt. Unter seiner straffen Führung erstrahlten die Stimmen des Rias-Kammerchors in aller Klarheit und Ausgewogenheit.
Dazwischen flossen dem Pianisten Philipp Mayers einige geistreiche Schumann-Inspirationen aus den Fingern. Geschäftig plaudernd kam beispielsweise die Hommage des Franzosen Maurice Delage daher. Eine Entdeckung war auch Toshio Hosokawas Neuvertonung der „Lotusblume“ für Chor und Schlagwerk aus dem Jahre 2006. Vom betörenden Urlaut zum gesprochenen Wort vergingen hier zunächst Ewigkeiten. In Zeitlupe krochen die Silben von den Sängerlippen, begleitet von hellen Glöckchen, grummelndem Xylophon und wohlig schwingenden Klangschalen. Klangschichten – es bleibt eine neu erweckte Faszination für die seltsame Schönheit der Poesie.
RIAS Kammerchor, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin, Germany
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