Der RIAS Kammerchor stützt das Magnificat durch vokale Autorität…
Mit seinen 65 Jahren steht der Holländer Ton Koopman, längst ein Weltberühmter auf seine Spezialgebiet der Alten Musik, zum ersten Mal am Pult der Philharmoniker und zeigt mit Bachs 3. Orchestersuite sofort an, womit er seinen Ruhm gewann: einem schier gnadenloses Bestehen auf Intensität. Gleich die Ouvertüre schießt mit unglaublicher Wucht und Rasanz auf die Hörer nieder. Da wird nicht geplänkelt. Da kracht , auf drei gellende Trompeten gestützt, eine musikalische Autorität heraus, die Koopman, vor seinem Cembalo stehend, mit nackter Hand hervorknetet. Bis zuletzt erweist er sich im Dienste Bachs als ein Meister der Unerbittlichkeit.
Er hat ein Faible für schnelle Tempi. Das macht natürlich Eindruck. Bei Koopman wird nicht geschmachtet.
Dem „Magnificat“, gestützt auf die vokale Autorität des RIAS Kammerchors in Hans-Christoph Rademanns Einstudierung und ein exzellentes Solistenquartett, schickt er eine kleine Motette, „Lobet den Herrn, alle Heiden“, voraus, bei der bis heute nicht klar ist, ob sie von Bach stammt. Macht nichts! Koopman lässt sie unangefochten wie waschechten Bach klingen.
Nur wenn er sich Haydn und dessen Sinfonie Nr. 98 zuwendet, wird seine ans Brutale grenzende Intensität riskant. Von Haydns Humor, den Sir Simon Rattle so bezaubernd hervorzukitzeln versteht, bleibt weitgehend auf der Strecke. Er verbietet das Schmunzeln. Er sollte die Finger von Haydn lassen.