RIAS Kammerchor Berlin

RIAS KAMMERCHOR

Knallharter Einstieg

Martin Wilkening, Berliner Zeitung, 30.01.2010

In Bachs "Magnificat" kam jeder Satz als Perle für sich.

Die Berliner Philharmoniker haben Bachs "Magnificat" zum letzten Mal 1984 gespielt, am Pult stand Herbert von Karajan. Seitdem hat das Klangideal des 19. Jahrhunderts seinen universalen Anspruch verloren und ist historisch geworden. Während die Spezialisten der Alten Musik mittlerweile bis weit ins 19. Jahrhundert vorgedrungen sind, öffnen sich die Philharmoniker seit einiger Zeit der historischen Aufführungspraxis und haben nun erstmals den Bach-Spezialisten Ton Koopman eingeladen.

Bachs dritte Orchestersuite begann hier nicht in jenem Feierglanz, den man wie bestellt genießen kann. Koopman inszenierte mit knallhart geschlagenen Paukenwirbeln einen geräuschhaften Einstiegsschock, aus dem dann der helle Klang-Strahl der Musik mit ihren federnd gespannten Punktierungen emporstieg. Das war ebenso ein Effekt wie das Zeichen eines Musizierens, das jedem einzelnen Moment höchste virtuose Präsenz schafft. Nagelprobe für den interpretatorischen Geschmack ist das so berühmte wie abgespielte Air. Koopman vermittelte wunderbar zwischen Melodik und Klang, zwischen Freiheit der Linie und den Reibungen mit den Nebenstimmen.

Haydns Sinfonie Nr. 98 brachte danach zum ersten Mal, in einer witzigen Episode kurz vor Schluss, die Orgel zum Einsatz, von der aus Koopman das ganze Konzert dirigierte. Mit dem Rias-Kammerchor und einem vorzüglich klar singenden Solistenquintett bot Koopman schließlich in Bachs
"Magnificat" jeden einzelnen der kurzen Sätze als Perle für sich, zum Nachvollzug der Gedanken und Schönheiten, des grimmigen Kommentars der Violinen beim "Deposuit potentes", der in schwebender Versöhnung sich umschlingenden Flöten im "Esurientes".

RIAS Kammerchor, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin, Germany
Tickets Telefon: +49.30.20298725 - Mo-Fr 9-18 Uhr, E-Mail: tickets@rias-kammerchor.de, www.rias-kammerchor.de

Rundfunk Orchester und Chöre GmbH