Omnes generationes“ kommen mit Macht vom Rias-Kammerchor. Ihm gehört auch das absolute Prunkstück des Abends, das nicht zuletzt der Einstudierung seines Chefs Hans-Christoph Rademann zu danken ist, die Bach-Motette „Lobet den Herrn, alle Heiden“: an schwebender Stimmschönheit und Transparenz nicht zu überbieten.
Als Advokat einer historisch beseelten Aufführungspraxis wird Ton Koopman gern gehört und ausgezeichnet. So seine Gesamtaufnahme der Kantaten Bachs. Doch will ihn jeder sehen, wenn er dirigiert? Das Debüt des 65-jährigen Niederländers vor den Berliner Philharmonikern stellt sich optisch wie ein Gruppenbild mit Vortänzer dar. Mit totalem Körpereinsatz scheint er die Musik so zu kneten, als ob sie den Ton kaum noch nötig hätte. Er erklärt gestisch wie ein übereifriger Lehrer: Alles sehen wir voraus, vom Einsatz und Tempowechsel bei Bach (Orchestersuite Nr. 3) an. Die Philharmoniker folgen mit wohlwollender Präzision. Sie sind in hervorragender Besetzung dabei, aber was Koopman an Interpretation geben will, das durchkreuzt er für den Zuschauer als zappelnder Maestro, als Vorzeiger, fast Karikatur. So entsteht, auch in der Haydn-Sinfonie Nr. 98, eine Doppelung von Partitur und Pantomime.
Ein rares Konzertstück ist das Magnificat von Bach, von den Philharmonikern zuletzt vor 25 Jahren aufgeführt – unter Karajan. Erstaunlich, dass der Lobgesang der Maria sich heute nicht schlecht als politische Rede ausnimmt: Der Herr stürzt die Mächtigen, erhebt die Niedrigen, beschenkt die Hungernden. Die betreffenden Arien erhalten Farbe von Werner Güra und Ingeborg Danz. „Omnes generationes“ kommen mit Macht vom Rias-Kammerchor. Ihm gehört auch das absolute Prunkstück des Abends, das nicht zuletzt der Einstudierung seines Chefs Hans-Christoph Rademann zu danken ist, die Bach-Motette „Lobet den Herrn, alle Heiden“: an schwebender Stimmschönheit und Transparenz nicht zu überbieten.