Anton Bruckner, MESSE NR. 2 E-MOLL, LIBERA F-MOLL, J. G. Rheinberger, REQUIEM OP. 84, Kammerchor Saarbrucken. Bläser der Kammerphilharmonie Mannheim, Georg Grün, Carus CD 83414, Total Time: 59:30
Bruckners enorm schwere e-moll-Messe fur Doppelchor und Blasorchester beginnt vielversprechend, doch schon im ,,Christee'-Teil gehen die Probleme los. Immer öfter ist die Intonation in sich schwankend; viele komplexe Stellen wirken angestrengt, mitunter geradezu wie gestemmt.
Georg Grün gelingt es insgesamt nicht, die groBen Bögen der Messe zu einem spannungsvollen Ganzen zu einen. Darüber trösten auch einige stimmungsvoile Momente des Chores (z.B. Schluss des Kyrie, Incarnatus, Agnus Dei), die beredte Phrasierung, klare Textdeklamation und nicht zuletzt die tadellos musizierenden Bläser nicht ganz hinweg. Allerdings scheint die recht trockene Akustik des Musikstudios 1 des Saarländischen Rundfunks nicht sonderlich geeignet fur ein Chorwerk, das auf die Klangverhältnisse großer Kirchen zugeschnitten ist. Irritierend ist auch die oft nahe an der Grenze zur Übersteuerung liegende Auspegelung der Dynamik wie auch die jeweils andere Klang Atmosphäre in den nachfolgenden beiden Werken, inklusive offenbar einer guten Portion künstlicher Nachverhallung, die in Rheinbergers Requiem gottlob sparsamer ausgefallen ist. Letzteres ist auch die eigentliche Entdeckung dieser Produktion - ein viertelstündiges, motettenhaft-schlichtes, doch von innen geradezu leuchtendes Werk für vierstimmigen Chor a cappella, das sich zum Beispiel vor Chorwerken von Brahms nicht zu verstecken braucht. Hier geben der Kammerchor Saarbrucken und sein Gründer und Leiter Georg Grün eine weitaus bessere Visitenkarte ab.