RIAS Kammerchor Berlin

RIAS KAMMERCHOR

Der sittenlose König von Babylon

Peter Jungblut, Bayrischer Rundfunk, 02.06.2008

Der RIAS Kammerchor "war mit Engagement und bestens einstudiert bei der Sache - vielleicht sollte man öfter Chöre von außen auf die Bühne bringen, die wirken immer wieder motivierter und spielfreudiger als die Opernchöre selbst.

Die Geschichte von den unheimlichen Buchstaben an der Wand, vom Menetekel, geschrieben von Geisterhand, wer kennt sie nicht. Belshazzar, der sittenlose König von Babylon, beflügelt Dichter und Komponisten aller Generationen - Georg Friedrich Händel machte daraus 1745 ein Oratorium, wohl nicht ganz freiwillig, denn damals hatte er mit seiner Operngesellschaft erstens Pleite gemacht und zweitens waren Opern mit biblischen Stoffen verboten worden. Das Oratorium bot sich als Alternative an - aber Belshazzar gehört nicht zu den Meisterwerken Händels, und an der Berliner Staatsoper hatte man auch noch Pech mit Regie, Besetzung und
Dirigat. Eigentlich gehört Dirigent Rene Jacobs zu den ausgewiesenen Kennern der Alten Musik. Leider wirkt er mit den Jahren immer akademischer, hölzerner uninspirierter. Das mag speziell in Berlin daran liegen, dass die dortige Staatsoper mehrfach ihr Desinteresse an René Jacobs signalisiert hat. Wie auch immer, diese Koproduktion von Berlin, Aix-en-Provence, Innsbruck und Toulouse, kam bleischwer und ermüden daher. Kenneth Tarver in der Titelrolle als Belshazzar war schlicht überfordert lediglich sein Gegenspieler, Bejun Mehta als persischer König Cyrus, wusste zu überzeugen insgesamt ein farbloses Solisten-Ensemble - was besonders dadurch deutlich wurde, dass der RIAS-Kammerchor umso mehr glänzte Er war mit
Engagement und bestens einstudiert bei der Sache - vielleicht sollte man öfter Chöre von außen auf die Bühne bringen, die wirken immer wieder motivierter und spielfreudiger als die Opernchöre selbst. Das Ärgernis des Abends war freilich die Regie von Christof Nel. Er zeigt die Mauer von Babylon bühnenhoch im Einheitsgrau. Manchmal verschiebt sie sich zu Stufen, dann wieder ist sie senkrecht - mehr passiert nicht, sieht man vom Blut ab, dass bei der Orgie des Belshazzar plötzlich durch die Mauerritzen fließt und Schlieren an der Wand hinterlässt. Die Personen stehen vorwiegend statisch vor oder auf dieser Mauer, manchmal müssen sie auch über eingehängte Sprossen klettern. Wirklich lebendig wirkt keine dieser in grauschwarz gekleideten Figuren. Belshazzar reißt die Augen auf und schwingt eine goldene Axt. Bei der gotteslästerliche Orgien wird etwas Rotwein über goldene Teller gekippt und das Weinlaub über die Köpfe drapiert - soviel Harmlosigkeit war selten. Man hätte es bei einer konzertanten Aufführung belassen sollen - das Schlussbild mit allen Mitwirkenden an der Rampe, vor dem schwarzen Vorhang stehend, machte das überdeutlich. Es war das beeindruckendste Bild des Abends.
Sicherlich ließ sich Belshazzar besser inszenieren, aber ob die schwerfällige Handlung wirklich packend in Bilder umgesetzt werden kann, daran gibt es Zweifel. Es fehlt an personalisierten Konflikten, es gibt viele zu viele Chorauf- und abtritte mit langatmigen Kommentaren, wie es im Oratorium durchaus bewegend sein kann. Schade, eine internationale Koproduktion wurde lust- und phantasielos auf die Bühne gebracht - fürwahe in Menetekel, das die aktuelle Lage der von Krisen geschüttelte Berliner Staatsoper bestens beschreibt.

RIAS Kammerchor, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin, Germany
Tickets Telefon: +49.30.20298725 - Mo-Fr 9-18 Uhr, E-Mail: tickets@rias-kammerchor.de, www.rias-kammerchor.de

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