RIAS Kammerchor Berlin

RIAS KAMMERCHOR

Im Glanz der Stimmen

Thomas Heinold, Nürnberger Nachrichten, 30.06.2008

Dass diese h-Moll-Messe...überzeugte, ist vor allem dem Rias–Kammerchor zu verdanken: Leuchtende und klare Höhen, ein ausgewogener Gesamtklang und eine differenzierte Stimmführung zeichneten das 40 Köpfe starke Ensemble aus: von der einleitenden Fuge mit ihren «himmlischen Längen« über das kantig konturierte Finale des Gloria bis zum entrückt wirkenden «Confiteor« im Credo oder dem schwerelos pulsierenden Sanctus.

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen gilt als vielseitiges Spitzenorchester und hat mit ihrem künstlerischen Leiter Paavo Järvi gelobte Beethoven-Einspielungen vorgelegt. Dass die Musiker auch in der historisch orientierten Aufführungspraxis zu Hause ist, wollten sie am Freitag bei der ION unter dem Originalklangexperten Robert Norrington beweisen.

Doch Bachs großartiges Alterswerk, die h-Moll-Messe, ließ in der schwierigen Akustik der Sebalduskirche einige Wünsche offen. In vielen Passagen war der Orchesterklang nicht transparent genug, etwa im Kyrie. Zu gedämpft fielen der Jubel der Pauken und Trompeten im «Gloria in excelsis« oder die Auferstehungsfreude im «Et resurrexit« aus.

Dass diese h-Moll-Messe dennoch überzeugte, ist vor allem dem Rias–Kammerchor zu verdanken: Leuchtende und klare Höhen, ein ausgewogener Gesamtklang und eine differenzierte Stimmführung zeichneten das 40 Köpfe starke Ensemble aus: von der einleitenden Fuge mit ihren «himmlischen Längen« über das kantig konturierte Finale des Gloria bis zum entrückt wirkenden «Confiteor« im Credo oder dem schwerelos pulsierenden Sanctus.

Im «Osanna« klingt das Deklamieren für einen Moment fast schelmisch, in den düsteren, klagenden Passagen des Credo kommt dem Chor auch einmal ein klarer konturierter Orchesterklang zu Hilfe. Überhaupt ist die Kammerphilharmonie dort am überzeugendsten, wo sie als rhythmisch treibender Schrittmacher fungiert – wie beim Beginn des Credo.

Und auch in den solistischen Passagen blitzt ihr Können auf, etwa bei der Oboe d’amore in der Alt-Arie «Qui sedes« oder den markanten Streichern im «Agnus Dei«. Mit Farbe und klaren Höhen gefiel der Sopran von Dominique Labelle, Annette Markerts Mezzo verfügte zudem über ein tragfähiges Fundament. Zu schlank und zu eng im Klang blieben der Tenor von James Taylor und York Felix Sperrs hoher Bass. Trotzdem: Es waren die vokalen Leistungen, denen an diesem Abend Bachs großes Werk seine Glanzpunkte verdankte. Viel Applaus.

RIAS Kammerchor, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin, Germany
Tickets Telefon: +49.30.20298725 - Mo-Fr 9-18 Uhr, E-Mail: tickets@rias-kammerchor.de, www.rias-kammerchor.de

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