RIAS Kammerchor Berlin

RIAS KAMMERCHOR

Staatsoper Berlin: "Belshazzar"

Clemens Goldberg, Kulturradio am Morgen, 02.06.2008

Der Held des Abend war aber der unglaublich beweglich und virtuos agierende RIAS Kammerchor mit seinen Solisten.

Händels Oratorium Belshazzar schreit laut: ich bin eigentlich eine Oper. Wildes Drama, gegensätzliche Gefühlslagen, Täter und Opfer in engster Nähe, Hoffnung und Vergänglichkeit geballt in zweieinhalb Stunden praller Musik. Was hätte man daraus machen können! Christof Nel vertraute auf ein einziges Bühnenbild (Roldand Aeschlimann), die Mauern Babylons mit Steigeisen, auf denen es mal aufwärts aber noch schneller abwärts gehen kann. Akrobaten gelingt es zwar, katzengleich dieses Auf und Ab zu überwinden, sie sind aber nicht Teil des Spiels, also wofür sind sie Vorbild oder was haben sie mit den viel hilfloseren Menschen 
zu tun?

Diese und viele andere Fragen wurden nicht beantwortet. Vor allem aber die Rolle des Chors. Er ist mal Opfer (die gefangenen Juden), dann Täter (die dekadenten Babylonier) oder Eroberer (die angeblich in göttlichem Auftrag handelnden Perser). Von einem Augenblick zum anderen wechselt die Rolle. Da reicht es nicht, sie einfach mit Flickwerk-Kostümen (Bettina Walter) auszustatten (wir sind ja so multipel) und sie nur die Aufstellung ändern zu lassen. Die Spannung zwischen den Rollen entsteht so nicht. Vor allem auch dann nicht, wenn die dramatische Unterströmung in der Musik nicht entstehen will.

René Jacobs optierte für einen etwas trägen, bräsigen, gepflegt daher kommenden Händel. Dabei muss er jeden Augenblick am Abgrund stehen, seine rhetorischen Zuspitzungen auch umgesetzt werden. Leider war auch das Solistenensemble nur teilweise den Rollen gewachsen. Ein Prophet muss schon gewaltige Stimme haben (Kristina Hammarström) und nicht kleinmütig wirken, einem verzweifelten Vater Gobryas nicht an einer entscheidenden Stelle die Tränen im Halse stecken bleiben. Nur Rosemary Joshua als weise Mutter des Despoten Belshazzar gelang es streckenweise, Charisma zu entwickeln und Bejun Mehtas Cyrus entwickelte sich immerhin von anfänglicher Schärfe zu Präsenz und Virtuosität.

Der Held des Abends war aber der unglaublich beweglich und virtuos agierende Rias-Kammerchor mit seinen Solisten. Leider wurden sie über weite Strecken von Orchester und Regie allein gelassen. Diese Produktion war die bisher schwächste der so erfolgreichen Reihe der Produktionen René Jacobs. Die Latte liegt hoch!

RIAS Kammerchor, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin, Germany
Tickets Telefon: +49.30.20298725 - Mo-Fr 9-18 Uhr, E-Mail: tickets@rias-kammerchor.de, www.rias-kammerchor.de

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