
Ein fabelhaft ausgeglichener, textverständlich und akzentuiert singender Kammerchor.
Ein einziges Stück hat gleich zwei Männer berühmt gemacht: Barthold Heinrich Brockes oratorischer Passionstext galt als idealtypisch und Georg Philipp Telemanns Vertonung sorgte bei der Uraufführung 1716 für ein musikalisches Ereignis ersten Ranges. Die nach ihrem Dichter benannte "Brockes-Passion" wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch oft vertont - und danach gründlich vergessen. Rene Jacobs ist die Wiederentdeckung dieses Stückes zu verdanken. Mit dem RIAS Kammerchor und der Akademie für Alte Musik zeigte Jacobs bei der Aufführung im Baden-Badener Festspielhaus, wie viel Drama und lebendige Tonmalerei in Telemanns Brockes-Passion stecken.
Der Dichter hat das Passionsgeschehen von allen Seiten beleuchtet, neben der Erzählung in Versform durch den Evangelisten stehen opernhafte Szenen. Gleich sechs Gläubige Seelen ergehen sich in geistlichen Betrachtungen, reagieren aber auch emotional an Zuhörern, statt auf Verrat, Folter und Kreuzigung. Der Chor steuert einige Turba-Chöre sowie eindrucksvolle Choräle bei. Telemanns hat den ausführlichen Text sehr fantasievoll und klangfarbenreich auskomponiert.
Schon in der Eingangssinfonia erwiesen sich die Mitglieder der Akademie für Alte Musik als hervorragende Musiker, die Telemanns Kompositionen sehr ruhig, wie aus dem Nichts kommend, entfalteten. Das expressiv gespielte, klagende Oboensolo im Zentrum der Sinfonia unterstrich die karfreitägliche gedämpfte Stimmung. Exzellent spielten die Musiker auch die konzertiernden Soli in den Arien, um hier nur die zwei Traversflöten zu nennen, die klangschön einige Arien der Töchter Zion umspielten, oder das ausdrucksvolle Violinsolo des Konzertmeisters, das die Aussage in der Buß-Arie des Petrus unterstrich.
Tadellos intonierte Hörner-Rufe weckten Gedanken an eine Menschenjagd in der Arie "Was Bärentatzen, Löwenklauen", in der Brigitte Christensen als Tochter Zion empört die Geißelung Jesu beklagte. Die wiederum erklang deutlich in den prasselnden Bogenschlägen der Streicher. Atemlos schnell, kurz und trocken artikuliert, untermalte das Orchester die Arie des Petrus, die berichtet, wie der Jünger dem gefangenen Jesus hinterher rennt.
Darauf folgte ein musikalisches Kabinettstückchen: Die Sopranistinnen Brigitte Christensen und Lydia Teuscher nahmen gemeinsam mit Mezzosopranistin Marie-Claude Chappuis in der Rolle dreier Mägde nadelspitz Petrus ins Kreuzverhör. Donat Havar leugnete als Petrus um sein Leben, um gleich danach in einem aufgewühltem Accompagnato-Rezitativ zu bereuen. Eine Reue, wie sie nur Barocklyrik kennt, die von kreischenden Eingeweiden und zischendem Geblüt auf glimmen Kohlen spricht. Nachdrücklich wurde die große Soloszene des Verräters Judas interpretiert. Marie-Claude Chappuis sang den Monolog voller Selbstvorwürfe mit Furor. In dunklen absteigenden Akkorden schilderte das Orchester den Selbstmord des Judas.
Zu den flexibel und ausdrucksstark singenden Solistinnen gesellten sich im Solistenensemble der Tenor Donat Havar, der Petrus, Pilatus und dem römischen Hauptmann seine Stimme lieh, außerdem Daniel Behle, der mit hellem schlanken Tenor angenehm unangestrengt den Part des Evangelisten gestaltete, und nicht zuletzt Bariton Johannes Weisser als eindrucksvoller Jesus.
Zu den flexibel und ausdrucksstark singenden Solistinnen gesellten sich im Solistenensemble der Tenor Donat Havar, der Petrus, Pilatus und dem römischen Hauptmann seine Stimme lieh, außerdem Daniel Behle, der mit hellem schlanken Tenor angenehm unangestrengt den Part des Evangelisten gestaltete, und nicht zuletzt Bariton Johannes Weisser als eindrucksvoller Jesus.
Zu den flexibel und ausdrucksstark singenden Solistinnen gesellten sich im Solistenensemble der Tenor Donat Havar, der Petrus, Pilatus und dem römischen Hauptmann seine Stimme lieh, außerdem Daniel Behle, der mit hellem schlanken Tenor angenehm unangestrengt den Part des Evangelisten gestaltete, und nicht zuletzt Bariton Johannes Weisser als eindrucksvoller Jesus.
Der RIAS Kammerchor fing die musikalische Rhetorik der Chorsätze mit ausgefeilter Phrasierung, geschmeidigen dynamischen Kontrasten und einem schönen, homogenen Klangbild ein. Von mitreißender Rasanz waren die wenigen Turbachöre, perfekt gesungen die Choräle, makellos die Chorsolisten als Hohepriester Kaiphas und Kriegsknecht.
Die packende Interpretation setzte die musikalischen Effekte bestens in Szene. Trotz der Länge von knapp drei Stunden hielten Rene Jacobs und die Mitwirkenden die Spannung durchgehend aufrecht. Nur die Ausdruckstiefe von Bachs Johannespassion blieb unerreicht.
RIAS Kammerchor, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin, Germany
Tickets Telefon: +49.30.20298725 - Mo-Fr 9-18 Uhr, E-Mail: tickets@rias-kammerchor.de, www.rias-kammerchor.de
