Die Akademie für alte Musik Berlin führte Telemanns "Brockes Passion" in der alten Oper Frankfurt auf. Im Zentrum aber stand immer wieder der RIAS Kammerchor, der mit frischen, temperamentvollen Einsätzen aufwartete.
Ein ganz schöner Brocken, diese "Brocken-Passion", benannt nach dem Verfasser Hamburger Ratsherrn Barthold Hinrich Brocken, mit 117 Textnummern und gut zweieinhalb Stunden reiner Aufführungsdauer. Aber die Kondition des Publikum der "Bach-Konzerte" ist erprobt - besonders, wenn es sich bei den Künstlern um ein so homogenes Ensemble handelt wie die Akademie für Alte Musik in Berlin, die sich in den gut zweieinhalb Jahrzenten ihres Bestehens zu einem der renommiertesten Barockensembles der Welt emporgearbeitet hat.
Die "Brocken-Passion", die übrigens 1716 in Frankfurt uraufgeführt wurde, vereinigt die sehr bildhafte, blumige Sprache des Komponisten mit der kraftvollen, ausdrucksstarken Musik des Barockmeisters Telemann. Die sehr kontrastreiche Stimmung wurde bereits in den ersten Takten der Ouvertüre gewahr, in denen die gespannte Atmosphäre beim letzten Abendmahl beschrieben wird. Der Bariton Johannes Weisser zeigte als vielbeschäftigter Jesus-Darsteller gleich bei den ersten Auftritten Balance und saubere Verzierungen. Erst im Verlauf des Abends litt Weisser verschiedentlich an einer etwas rauen Stimme, was jedoch das insgesamt positive Erscheinungsbild nicht schmälerte.
Auch Daniel Behle war als Evangelist gut ausgelastet und deklamierte sehr verständlich - wenn gleich sein Tenor anfänglich auch etwas zugeschnürt klang. Im Zentrum aber stand immer wieder der Rias-Kammerchor, der mit frischen, temperamentvollen Einsätzen aufwartete. Etwa als Chor der Kriegsknechte ("Greift zu, schlagt tot!") oder wenig später als Chor der Juden ("Nein, diesen nicht, den Barrabam gib frei"). Wie überhaupt die Volksszene bei der Freigabe des Mörders Barrabas generell zu den packendsten vieler Passions-Vertonungen gehört.