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Haydn als Marathon in der Philharmonie

Sabina Bébié, Berliner Morgenpost, 21.04.2008

Dem Deutschen Symphonieorchester Berlin und dem RIAS Kammerchor unter Andrew Manze gelang eine abwechslungsreiche, farbige Interpretation.

Gewitter, Jagdszenen und Trinkgelage sind in einem Oratorium eher selten zu erleben, außer man hört Josef Haydns "Jahreszeiten". Das 1801 uraufgeführte Werk wirkt zeitweise sehr rustikal und verleiht der ernsthaften, ja opernähnlichen Musik eine abwechslungsreiche, manchmal gar humoristische Farbe. Eigentlich ein ausgesprochen sinnliches Erlebnis, sieht man mal davon ab, dass die Aufführung in der Philharmonie mit fast drei Stunden Dauer einem Marathonlauf glich. Dem Deutschen Symphonieorchester Berlin und dem RIAS Kammerchor unter Andrew Manze gelang eine abwechslungsreiche, farbige Interpretation. Das ist gar nicht so einfach. Haydns Werk ist vor allem im "Frühling" und "Sommer" in viele, teils kurze Rezitative unterteilt. Dadurch fehlt es der Komposition etwas an Fluss. Der geriet im ersten Teil des Konzerts denn auch manchmal ins Stocken. Dafür hinterließen "Frühling" und "Winter", besonders die Jagd- und Trinkszenen des Chors einen schwungvollen Eindruck. Die dramatischen Momente waren vor allem für die Solisten gedacht. Tenor Jeremy Ovenden - eingesprungen für den erkrankten Kobie van Rensburg - und Sopranistin Sally Matthews überzeugten mit wunderbarer Textverständlichkeit und stimmlicher Brillanz. Schade nur, dass sie ihr Liebesduett optisch so sangen, als wäre der andere nicht existent. Einzig Bariton Nikolay Borchev schien sichtlich im Stück mitzugehen. Generell hätten die Solisten den Jahreszeiten noch mehr Leben einhauchen können. Was Orchester und Chor überzeugend gelang, wirkte bei ihnen doch etwas spröde und leblos.

 

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