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Magdeburg feiert ein »Klangblühen«

Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 18.03.2008

Drei Oratorien bei den Telemann-Festtagen

Ganz am Ende wurde noch ein historischer Irrtum korrigiert - und zugleich das Festival-Motto aufs Schönste bestätigt. Denn jenes "Klangblühen", unter dem man bei den Magdeburger Telemann-Festtagen die Beziehungen zum halleschen Zeitgenossen verhandelte, entfaltete sich natürlich auch im Oratorium "Der aus der Löwengrube errettete Daniel", das lange Händel zugeschrieben worden war. In der Lesart des Ensembles La Stagione unter der Leitung von Michael Schneider beeindruckte das Stück vor allem durch die sparsame Besetzung des Chores mit acht Solisten, die auch in dramatischen Passagen transparent blieb - ein ästhetischer Gegenentwurf zu den Aufführungen der vorangegangenen Abende.

Die nämlich waren mit dem Rias-Kammerchor und der Akademie für Alte Musik Berlin sowie mit dem Magdeburger Kammerchor und der Dresdner Hofkapelle nicht nur opulenter besetzt, sondern auch den kirchenkalendarisch angemessenen Themen vorbehalten. Unter Leitung des Telemann-Preisträgers René Jacobs musizierten die Berliner Ensembles die opulente Brockes-Passion "Der für die Sünde der Welt leidende und sterbende Jesus" - ein ebenso umfängliches wie in der Steigerung zum Finale beeindruckendes Werk, bei dem die musikalischen Akademiker einmal mehr ihre Vitalität und Spielfreude zeigen konnten. Dass ausgerechnet der Jünger Petrus von den auftrumpfenden Passagen seiner Rolle überfordert war, beschädigte die ansonsten perfekt abgestimmte Wirkung des Solistenensembles ein wenig.

Unter dem empathischen Dirigat von Jacobs aber entfaltete das empfindsame Libretto seine volle theologische Kraft - und ließ zeitweise sogar den Theatersaal vergessen, der für Barockmusik ein ungeeigneter Ort ist. Die Konzerthalle im Kloster Unser Lieben Frauen hingegen war der "Markuspassion" am nächsten Tag sehr angemessen - und wurde von den Musikern um den Dirigenten Hans-Christoph Rademann perfekt gefüllt.

Das Stück aus dem Todesjahr Händels ist eines jener Stücke, an denen man Telemanns auch im Alter noch erstaunliche Flexibilität erkennen kann - ein aus dem Barock in die Frühklassik vorausweisender Entwurf, der zudem durch die meisterliche Umsetzung von theologischen Inhalten in Musik besticht. Die Einbindung von Chorälen, in denen sich die Gemeinde als aktiver Gestalter des Oratoriums begreifen konnte, beweist die Praxisnähe des zugleich im geistlichen und im weltlichen Amt heimischen Komponisten - der auch in dieser Doppelfunktion ein Bindeglied zwischen Händel und Bach darstellt. Hier waren es nicht die großen Namen, sondern das tiefe Einverständnis von mitteldeutschen Ensembles, die besonders inniges "Klangblühen" stifteten.

 

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