Vergangenheit und Gegenwart auf musikalisch ambitionierte Weise miteinander verhakt.
So trat das jüngste Konzept des Rias Kammerchors unter der überzeugenden Leitung von Paul Hillier ohrenöffnend in Erscheinung: als Hymnus auf die Größe Gesualdos; als Versuch, ihn zu variieren, um es ihm nach Möglichkeit gleichzutun.
Am besten schnitt dabei ab, wer den eigenen Ehrgeiz zuhaus ließ. Gerade darin konnte Strawinsky allen jungen Kollegen Vorbild sein. Drei A-cappella-Gesänge Gesualdos hat er sorgfältig und verständnisvoll für Aufführungen eingerichtet. Er hat verloren gegangenes Material der Stimmführung neu imaginiert. Diskret, aber bewundernd trat Strawinsky hinter Gesualdo zurück.
Gija Kantscheli ging durchaus eigene Wege. Sein "Amao omi" für Chor und Saxophonquartett bedient sich als Textgrundlage der Ausrufe von Wörtern oder gar nur Silben der georgischen Sprache. Das zwanzigminütige Stück beginnt musikalisch geradezu kuschelig. Es soll ja kein Wort verstanden werden, und man vermisst es auch nicht. Die Linie des Gesangs entfaltet sich reich ohne literarische Hilfe von außen anrührend aus sich selbst. Sie wird vom phänomenalen Raschèr Saxophone Quartet weiter gesponnen. Es ist (neben dem Chor) der gefeierte Star des Abends.
Fritz Christian Gerhard greift für sein zehnminütiges Saxophonquartett auf eine Lauda von Giovanni Animuccia in Gestalt einer Fantasie zurück und versteht, der edlen Vorlage durchaus eigene Entwicklungen abzugewinnen. Auch Bernd Franke wollte in seinem Hymnus "Auf die Würde des Menschen" auf die Virtuosität des Raschèr-Quartetts nicht verzichten.