RIAS Kammerchor Berlin

RIAS KAMMERCHOR

Philharmonie Berlin: "Elias"

Andreas Göbel, Kulturradio am Morgen, 02.01.2008

"Da war es eine echte Wohltat, den Elias einmal in einer wirklichen Edel-Besetzung zu hören ..."

Für sein traditionelles Neujahrskonzert hat sich der RIAS Kammerchor mit Felix Mendelssohn Bartholdys Elias ein Oratorium ausgesucht, das nicht unbedingt selten aufgeführt wird. Das Werk kann von weniger guten Chören irgendwie bewältigt werden – eine Tatsache, die dem Oratorium selbst nicht immer gut bekommen ist. So manche Aufführung war einfach nur lang und langweilig.

Da war es eine echte Wohltat, den Elias einmal in einer wirklichen Edel-Besetzung zu hören, an der neben dem RIAS Kammerchor auch noch die Akademie für Alte Musik Berlin mitwirkte. Hier wurde endlich einmal die Spitzenstellung dieses Oratoriums deutlich mit seinen dramatischen Qualitäten, im ersten Teil von fast opernhaftem Charakter, v. a. aber mit seiner Synthese aus Barock und Romantik, wie sie eigentlich nur Mendelssohn so vollendet beherrschte.

Dass ein Profichor wie der RIAS Kammerchor ein solches Werk einwandfrei einstudiert, strukturiert und durchhörbar präsentiert, ist nicht anders zu erwarten. Dennoch beeindruckte hier die unmittelbare Präsenz gerade der dramatischen Szenen. Das Podium der Philharmonie wurde fast zur Opernbühne; wenn der Chor die aufgepeitschten Volksmassen verkörperte, schien die Situation wirklich kurz vor der Eskalation zu stehen. Das war teilweise zum Fürchten; denen möchte man so lieber nicht auf der Straße begegnen.

Auf der anderen Seite gelang es dem RIAS Kammerchor, die Musik ganz ohne die klebrige Süßlichkeit darzustellen, die irrtümlicherweise bei Mendelssohn immer wieder zu hören ist. Die Engelschöre, die sonst oft gern als rührselige Kitschnummern missbraucht werden, atmeten in der Interpretation des RIAS Kammerchores eine Schwerelosigkeit, v. a. aber eine beeindruckende Schlichtheit. Der Chor hat hier seine Spitzenstellung unter Beweis gestellt; ein gutes Zeichen auch dafür, dass Hans-Christoph Rademann, seit dieser Saison künstlerischer Leiter der Formation, eine exzellente Wahl ist.

Von ähnlich ansprechendem Niveau präsentierten sich – den ziemlich indisponierten Tenor einmal ausgenommen – auch die Solisten. Die Sopranistin Marlis Petersen konzentrierte sich besonders auf die opernhaften Ansätze; in der Rolle der trauernden Witwe hat die ihr Schicksal spürbar durchlitten. Sie singt nicht einfach, sondern erzählt und erlebt etwas; sie hat eine echte Botschaft, die sich tatsächlich auch überträgt.

In der Titelrolle hat Bassist Yorck Felix Speer das Widersprüchliche dieser Rolle herausgestellt: Auf der einen Seite der Prophet, der seine Auftritte wirkungsvoll inszeniert und seinem Volk nachdrücklich die Leviten liest; auf der anderen Seite der Frustrierte, der öfter einmal Dampf ablassen muss und dies mit einer solchen Wucht und Intensität tut, dass ihn wirklich nur ein Engel besänftigen kann. Das ließ auf sympathische Weise deutlich werden: Ein Prophet ist auch nur ein Mensch.

Eine hervorragende Entscheidung des RIAS Kammerchores war es, als Orchester die Akademie für Alte Musik Berlin einzuladen und mit ihr ein Spezialensemble für Alte Musik. Im Gegensatz zu den sonst begleitenden großen Sinfonieorchestern wurde hier einmal nicht eine einlullende romantische Soße aufgetischt; das Ensemble verfolgte wie nicht anders zu erwarten einen sehr knappen, durchscheinenden Ansatz, der die filigranen Verästelungen der Partitur in unzähligen Details nachzeichnete, die dramatischen Höhepunkte in scharfen Dissonanzen ganz unabgefedert und völlig ohne Airbag aufeinander prallen ließ. Vor allem war es ein Genuss, mit welchem Einsatz die Musiker bei der Sache waren. Das ist leider beim Thema Chorbegleitung nicht selbstverständlich; manches Orchester versieht da lustlos Dienst nach Vorschrift. Nicht so die Akademie für Alte Musik, die der eigentliche Motor der Aufführung war, sie immer nach vorn getrieben hat.

Insgesamt eine der kürzesten, aber auch eine der aufregendsten Interpretationen, die Maßstäbe setzt.

RIAS Kammerchor, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin, Germany
Tickets Telefon: +49.30.20298725 - Mo-Fr 9-18 Uhr, E-Mail: tickets@rias-kammerchor.de, www.rias-kammerchor.de

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