"Auch die 'Verborgenen Reime', ein Auftragswerk des Rias-Kammerchors für Stimmen und Schlagzeug, geht außergewöhnliche Wege."
Mit Mauricio Kagel wird man niemals fertig. Er erfand der Neuen Musik eine ganz neue Hinterhältigkeit. Er schrieb sie in vollem Ernst nieder und machte sich gleichzeitig über sie lustig. Er war der Mann der tausend zirkusreifen musikalischen Volten. Er verstand bei aller Seriosität lachen zu machen und im selben Atem dies Lachen zu hinterfragen. Er führte die Hörer gern aufs Glatteis seiner Kunst und drehte auf ihm die sinnverwirrendsten Pirouetten.
Nun sollte er als Dirigent der musikFabrik und des Rias-Kammerchors im Kammermusiksaal der Philharmonie einen ganzen Abend mit drei je halbstündigen eigenen Werken bestreiten. Krankheit machte ihm einen bösen Strich durch die Rechnung. Er musste als Dirigent passen. Für ihn sprang der überragende James Wood ein: ein Mann der Sorgfalt und Ruhe, der den seltenen Funken Klarheit zu sprühen verstand. Neben ihm agierte Hildegard Behrens, herzlich willkommen, als Sprecherin im "Mitternachtsstük": ausdrücklich mit nur einem k geschrieben, wie es der krankhaft geistesabwesende Robert Schumann einst zu Papier brachte. Kagel komponierte den poetisch dahinschwankenden Text für Stimmen und Instrumente schon in den 80er-Jahren. Er baute aus ihm ein surreal anmutendes, hintergründiges Melodram beinahe schon alter Schule.
Von Kagel, dem Witzbold von einst, spürt man wenig. Außer, dass auf das aus Prinzenmund dahingewisperte Stichwort "Champagner" als Hörerlebnis ein Schlagzeuger sprudelnd zwei Gläser füllt. Auch die "Verborgenen Reime", ein Auftragswerk des Rias-Kammerchors für Stimmen und Schlagzeug, geht außergewöhnliche Wege. Die Reime verbergen sich gleichzeitig in fünf Sprachen, darüber hinaus im Lateinischen. Über ihnen schwingen die beiden Schlagzeuger fingerfertig Bougarabous aus Afrika. Von dort stammen auch die Talking Drums. Es setzt sozusagen globalisierte Musik.