Mauricio Kagel mit Ensemble im Forum der Bundeskunsthalle.
Foto: Frommann

Geburtstagskonzert für und mit Mauricio Kagel in Bonner Bundeskunsthalle
Bonn. Und der RIAS-Kammerchor sprach, klangvoll und klar: "Neckerei. Nackedei. Nascherei. Nörgelei", wechselte mit "muggins raisins muffins napkins puffins virgins" ins Englische.
Dann mit "synonime, éponime, toponyme, paranyme" ins Französische, lauschte schließlich auf Italienisch allem nach, was auf "o" endete, zitierte aus einem mittelalterlichen, lateinischen Reim-Offizium und aus spanischen Gedichten.
Für seine in diesem Jahr beendete Komposition "Verborgene Reime" für Chor und zwei Schlagzeuger ließ sich Mauricio Kagel von dichterischen Vorlagen in verschiedenen Sprachen einschließlich der Indianersprache Komantsche inspirieren.
Dabei verwendet er stets nur die zweite Hälfte von Versen, manchmal sogar nur das letzte Wort und füllt den derart eröffneten Assoziationsraum mit der für ihn typischen, manchmal sarkastischen Fantasie aus: "Once passionate, cette prevue, Burgerkrieg und Pyrrhussieg."
Schlagzeuginstrumentarium links und rechts des Chorensembles umgibt die Textschicht mit Klängen von afrikanischen und asiatischen Fellinstrumenten. Bei der Uraufführung des Werkes im Forum der Bundeskunsthalle verblüffte der fabelhafte RIAS-Kammerchor (Einstudierung James Wood) durch eine unerhörte stimmliche Flexibilität, mit der er die Spannbreite zwischen Wispern, Flüstern, deklamatorischem Sprechen in sonoren Clustern, packend inszeniertem babylonischem Sprachgewirr, akkordischen Vokalisen oder machtvollen Flutklängen bewältigte.
Der Komponist stand in dem Porträt-Konzert, das aus Anlass seines 75. Geburtstag im Rahmen des Beethovenfestes stattfand, selbst am Pult, am Schlagzeug waren Mitglieder der Musikfabrik NRW.
Dieses Ensemble verwandelte sich in Kagels "Süden" aus den "Stücken der Windrose" in ein Salonorchester, das mit verfremdeten Bruchstücken einer Tarantella die "Grenzen zwischen Taumel und Schwermut" erkundet, wie es der Komponist im Programmheft ausdrückte.
Die Faszination, die Sprache auf Kagel ausübt, wurde in dem Konzert überall deutlich: auch im im "Mitternachtsstück für Stimmen und Instrumente" über vier Fragmente aus dem Tagebuch von Robert Schumann (mit Claudia Türpe als Selene, Johannes Schendel als Gustav und Volker Arndt als Prinz) und in "Quirinus' Liebeskuss" für Vokalensemble und Instrumente nach einem Gedicht des barocken Mystikers Quirinus Kuhlmann.
RIAS Kammerchor, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin, Germany
Tickets Telefon: +49.30.20298725 - Mo-Fr 9-18 Uhr, E-Mail: tickets@rias-kammerchor.de, www.rias-kammerchor.de
