
Hans-Christoph Rademann tritt mit Kirchenmusik von Antonio Vivaldi sein Amt als Chefdirigent des Rias Kammerchors an
Die Instrumentalmusik Antonio Vivaldis ziert Fahrstühle und Warteschleifen. Dass er auch zahlreiche Chorwerke hinterlassen hat, ist weniger bekannt. Hans-Christoph Rademann hat sich nun als neuer Chefdirigent des Rias Kammerchores der Kirchenmusik des venezianischen Komponisten angenommen. Auf dem Programm seines Antrittskonzerts am vergangenen Sonntag standen Vivaldis Magnificat sowie die Vertonungen zweier Psalmen.
Rademann gründete bereits als Student seinen Dresdner Kammerchor, mit dem er sich einen Ruf als Spezialist für Alte Musik erwarb. Der 42-Jährige ist ein Bildhauer unter den Dirigenten: Kraftvoll meißelt er tragfähige Spannungsbögen heraus, präzise und fein abgestimmt setzt er kleine Akzente. Seine Expressivität ist intellektuell untermauert, kein Detail bleibt bloßem Gefühl oder dem Zufall überlassen. Das verleiht der Musik eine Stringenz, die den Hörer ergreift und den Abstand zur Entstehungszeit vor etwa 270 Jahren überbrückt. Schade nur, dass der effektvolle Raumklang venezianischer Doppelchörigkeit in der Berliner Philharmonie nicht zur Geltung kam. Vivaldi schrieb die Werke nämlich für einen auf zwei Emporen verteilten Chor.
Der 1948 im amerikanischen Sektor Berlins gegründete Rias Kammerchor gilt als Maßstab in Sachen vokaler Transparenz und Intonationssicherheit. In der Spannbreite zwischen blockhaften und dann wieder polyphon aufgefächerten Abschnitten entlockte Rademann diesem erstklassigen Ensemble eine Klangfarbenvielfalt, die hinter der eines Orchesters nicht zurück bleibt. Ein aufs Beste mit diesem Chor kooperierender Partner ist die Akademie für Alte Musik Berlin. Mitreißend und voller Elan spielten die Musiker auf ihren historischen Instrumenten. Besondere Sorgfalt verwandten sie auf die Ausgestaltung der metrischen und rhythmischen Feinheiten – eine Dimension, die in dieser affektgeladenen Musik eine ausschlaggebende Rolle spielt. Es ist der Opernkomponist Vivaldi, der die Leidenschaften des Theaters hier auf die Sakralmusik überträgt. Als Sakrileg darf man das nicht betrachten, schließlich gab es zu seiner Zeit noch keine Trennung von geistlicher und weltlicher Kompositionsweise.
Die besonders stark von der italienischen Oper geprägten Solopartien waren durch Sänger von solider Qualität besetzt. Johannette Zomer mit ihrem eher kleinen, doch wohltuend runden Sopran bot ihre hochvirtuosen, mit Verzierungen gespickten Arien anmutig und fast kokett dar. Die beiden Bässe Henryk Böhm und Marek Rzepka liefen in ihrem Duett zu energiegeladener Höchstform auf.
Mit Vivaldis effektvollen und kontrastreichen Stücken hat der neue Chefdirigent sein Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Auf die Alte Musik will sich Hans-Christoph Rademann in seiner Arbeit mit dem Rias Kammerchor aber nicht beschränken: Weitere Schwerpunkte dieser Spielzeit sind die Chormusik Mendelssohns und Zeitgenössische Werke.
RIAS Kammerchor, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin, Germany
Tickets Telefon: +49.30.20298725 - Mo-Fr 9-18 Uhr, E-Mail: tickets@rias-kammerchor.de, www.rias-kammerchor.de
