
Eine Strapaze der Vollkommenheit
In der Philharmonie eröffneten der Rias-Kammerchor und die Akademie für Alte Musik, vereint unter der temperamentvollen, präzisen, anfeuernden Leitung von Daniel Reuss, das neue Jahr mit einer kostbaren Ranschmeiße-Musik: dem dreistündigen Oratorium "Solomon". Ihm, dem Weisen, Gutwilligen, Tatkräftigen huldigt drei Akte lang in 58 nimmermüden Nummern und Nümmerchen pausenlos jedermann: am mitreißendsten in den Chören. Sie sind die Hauptperson in diesem Oratorium.
Auf jeden dramatischen Zusammenhang hat Händel im "Solomon" verzichtet. Im ersten Akt nimmt das Feiern kein Ende. Da wird ihm seine bezaubernde Königin zugeführt. Die junge Schwedin Malin Christensson singt sie mit allen erdenklichen Stimmtugenden, von Kopf bis Fuß in hellblauer Seide: ein Himmelswölkchen. Der zweite Akt gibt sich da schon dramatischer. Zwei Mütter ziehen vor das berühmte salomonische Gericht, weil das Kind nur einer gehören kann. Carolyn Sampson gewinnt und wird wie zur Belohnung dafür im 3. Akt zur Königin von Saba, die zur Haupt- und Staatsaktion stimmbeflügelt herbeiweht. Das Schmuse-Triptychon kommt zum gloriosen Abschluß.
Seltsamerweise fand es zu Händels Zeit nicht den rechten Anklang. Die Figur des Herrschers, von einer Frau verkörpert, vermag vor lauter Weisheit kaum musikalisch zu treten. Sarah Connolly trägt ihre Arien und Rezitative sachlich vor wie eine bewährte Altenpflegerin der Musik. Die aber will verlebendigt werden, und das gelingt der Akademie ganz ausgezeichnet. Sie spielt mit Furor und Feuer, dann aber auch wieder mit der vorgeschriebenen höfischen Grazie.
Die Männer haben am Hofe erstaunlicherweise wenig zu sagen. Johannes Chum von der Komischen Oper ist für den erkrankten James Taylor eingesprungen und singt klaren Tons Zadok, den Hohen Priester. Seinen energischen Baß führt David Wilson-Johnson vor.
RIAS Kammerchor, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin, Germany
Tickets Telefon: +49.30.20298725 - Mo-Fr 9-18 Uhr, E-Mail: tickets@rias-kammerchor.de, www.rias-kammerchor.de
