RIAS Kammerchor Berlin

RIAS KAMMERCHOR

Den richtigen Ton getroffen

Clemens Goldberg, Kulturradio am Morgen, 01.06.2005

Es war ein gewagtes, innerliches, religiöses und bewegendes Programm, das der RIAS-Kammerchor an den Schluss seiner Saison stellte.

Mit Kaspars Putnins hatte man einen jungen lettischen Dirigenten eingeladen, der mit großem Ernst, eleganten Bewegungen und äußerster Konzentration für einen wunderbaren Fluss der musikalischen Bewegung sorgte. Immer waren sein Atem und der des Chores eins.

Erstaunlich, wie ähnlich sich die baltischen Komponisten der Gegenwart sind: Maija Einfelde, Peteris Vasks und Arvo Pärt sind allesamt tief religiös, pflegen einen konsonanten, nur im Maß des Innerlichen oder Expressiven unterschiedenen Stil. Diese Werke muss man in hohem Maße nuancieren, sonst werden sie banal. Putnins traf mit dem Chor immer den richtigen Ton, ob in Einfeldes Psalm 15 oder in Vasks Milosz-Vertonung über einen Traum vom Leben. Neue Töne von Pärt: ein geradezu verzückter Bericht über die Entstehung des Te Deums aus dem Mittelalter.

Eine ganz andere, anspruchsvolle Dimension wurde mit Alfred Schnittkes Bußversen erreicht, elf anonym überlieferte Texte von Mönchen über Sünde und Vergebung. Der Chor hat hier in 40 Minuten Äußerstes an Ausdrucksspannweite und Durchhaltevermögen zu leisten. Am Morgen war der Tycoon Chodorkowski verurteilt worden, Zeugnis des ewigen Russlands mit Sünde und Strafe. Wie nah kam man der Seele Russlands in dieser Musik, die aus altslawischen Kirchengesängen schöpft und auch die Vision einer besseren Welt bereithält. Ein Trost für uns und für ein gebeuteltes Land, eine hohe Leistung des Chors.

Clemens Goldberg, Kulturradio am Morgen
Bewertung: (großartig)

RIAS Kammerchor, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin, Germany
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