RIAS Kammerchor Berlin

RIAS KAMMERCHOR

Eine Stunde voller Trauer

Ulrich Pollmann, Der Tagesspiegel, 28.02.2005

Selten verbinden sich Klangdelikatesse und Feingeistigkeit so einmütig, selten ist Trauer so schön: Als Hors d´oeuvre dienen Henry Purcells „Funeral Sentences“, 1695 zum Tod von Queen Mary II geschrieben.

So ganz kann sich zwar der grippegeschwächte RIAS Kammerchor im Kammermusiksaal der Philharmonie der tiefen Trauer dieser Musik nicht hingeben. Auch die gestische und dynamische Gestaltung wirken zuweilen flach, der Chor wagt sich nicht aus der Deckung. In Strawinskys Kantate von 1951, einer Totenklage, gelingt dann jene glühende Zurückhaltung, die diesem Stück, dem Tor zu seinem Spätwerk, bestens ansteht. Denn in seiner Spätphase wird Strawinsky sparsam, schlichte, knapp gehaltene Phrasen von erschreckender Makellosigkeit wird er bis zu seinem Tod komponieren.

Warum nur bekommt man diese Stücke leider nie zu Gehör? Wäre nicht Stefan Asbury ein berufener Mittler dieser Musik, es wäre trist. Mit der MusikFabrik hat er jedenfalls ein Ensemble zur Hand, das fast durchgehend mit Solistenqualitäten überzeugt. Dirk Wietheger treibt die generalbassartigen Cellopartien in Strawinskys Kantate voran, moduliert hingebungsvoll jede Wendung. Peter Veale bläst auf der Oboe zuweilen die Sänger an die Wand, auf keinem anderen Instrument klingt Trauer so süß wie auf seiner Schalmei. So gerät denn auch Luigi Dallapiccolas „Piccola musica notturna“ zum Höhepunkt. Einer Eingebung folgend, lässt Asbury das zart-expressive Stück gleich zweimal spielen – man wünscht es sich noch öfter.

RIAS Kammerchor, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin, Germany
Tickets Telefon: +49.30.20298725 - Mo-Fr 9-18 Uhr, E-Mail: tickets@rias-kammerchor.de, www.rias-kammerchor.de

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