Claudio Monteverdi
Gethsemane-Kirche
Abo-Konzert
Claudio Monteverdi
Vespro della beata vergine
Maria Cristina Kiehr, Sopran
James Elliott, Tenor
Andreas Karasiak, Tenor
Harry van der Kamp, Bass
Gerlinde Sämann, Sopran
Akademie für Alte Musik Berlin
RIAS Kammerchor
Hans-Christoph Rademann, Dirigent
Bild: http://de.wikipedia.org.
Stein des Anstoßes
Obwohl mit förmlicher Widmung an Papst Paul V. versehen und eingereicht in der wohlmeinenden Absicht, dem Sohn einen Freiplatz am Seminario Romano zu verschaffen, hatte Monteverdis Marienvesper beim stockkonservativen Klerus der Ewigen Stadt keine Chance, scheiterte womöglich bereits an der vatikanischen Pförtnerloge. Unfassbar? Kaum, denn schon die Vorrede erklärt, warum: Gleichermaßen geeignet für Kapellen und Fürstengemächer, war das Sammelwerk bestimmt, ein Musterbeispiel für die gefährliche musikalische Annäherung von Kirche und Hof abzugeben. Seine waghalsige Verflechtung des strengen, ehrwürdigen stile antico mit den hochvirtuosen, bildreichen Textdeutungen des stile moderno, für die der Cremoneser Avantgardist zeitlebens erbittert stritt, machten das 1610 entstandene Opus zu einem grandiosen Kompendium aller zeittypischen kompositorischen Stilmittel und Kunstgriffe an der Schwelle zwischen Renaissance und Barock. Und damit natürlich zum Stein des Anstoßes für die Hüter des Status quo ante. Das Tollkühne an Monteverdis Gratwanderung ist auch im Jahr 400 danach kaum zu überschätzen und lässt jede Aufführung zur absoluten künstlerischen Herausforderung werden.